Sharing is Caring – und dann war die Jacke weg | Team Insight von Marlene

Ressourcenschonung in puncto Modekonsum wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt: Als Kind bekam ich oft die nicht mehr passenden Kleidungsstücke älterer Töchter meiner Mama, als Erwachsene die meiner Freundinnen, da ich mit 14 aufhörte, in jegliche Richtungen zu wachsen (na gut, fast!) und aktuell tauschen wir auch gerne mal Kleider im Team.

Dabei fällt mir auf, dass meine Einstellung teilweise gar nicht so nachhaltig ist, wie ich es mir wünschen würde. Denn: Ich hänge doch sehr an „Sachen“.

Der April beispielsweise stand voll im Zeichen der Moderevolution. Die „Fashion Revolution Week“ fand in Frankfurt mit mehreren wirklich tollen und gut besuchten Aktionen statt.

Es gab auf der „Fairen Meile“ eine Gedenk-Kunstaktion wegen des Einsturzes der Textilfabrik in Rana Plaza, Filmabend zum Thema nach Ladenschluss im Bunt (es kommen noch mehr Events, lest nach), es fanden ein Fashion Quiz und Netzwerktreffen des „Fashion Campus 2030“ statt und die grandiose Kleidertauschparty von „Fashion Revolution Frankfurt“ im MAK.

Kleidertausch als Quell der Freude

Bei über 600 Kleidertauschenden brannte also die Hütte – oder das Museum besser gesagt. Bea, eine DJne legte auf, es gab Flower-Print- und Upcycling-Workshops und die Stimmung war lebendig. Gelebte Nachhaltigkeit, die auf einer sehr sinnlichen Ebene Spaß macht. Das brauchen wir, Leute!

Ich wuselte umher und hatte meine Jacke, meine Lieblingsjacke (!), in einer dunkeln Ecke – dachte ich – an einen Haken gehängt.

Diese Jacke ist Ergebnis eines Kleidertauschs im Team, eher gesagt einer Weitergabe von Ankathrin an mich. Ich liebte sie von Sekunde eins an und habe sie sogar schon zwei Mal zum Schneider gebracht, weil der Reißverschluss kaputt war – und nicht wenig Geld dafür dort gelassen.

Sie war es mir wert, auch dann noch, als mir selbst der Schneider ans Herz legte, dass ich mir einfach eine neue kaufen könne, wäre billiger… Nun gut. Ich hänge an dieser Jacke. Das wird Euch mittlerweile klar geworden sein.

Jedenfalls ging die Party zu Ende. Ich hatte bis dahin keine Muße gehabt, selbst etwas zu tauschen, dafür aber tolle Gespräche geführt – und wollte sodann meinen Infostand abbauen.

Als ich mich verabschiedete, war die Jacke weg.

Ihr seht: Kleidertausch wurde auf der Party zu 100 % ernst genommen. Ein wahrer Beweis des nachhaltigen Lebens. Quell der Freude!

Kleidertauschen als Kickstarter zum Loslassen

Meine Lieblingsjacke war und ist also weg. Mitleidige Blicke zeigten mir, dass andere Ebenso an ihren Herzensstücken hängen wie ich.

Doch irgendwie passt die Erfahrung zur aktuellen Zeit. Nun freut sich eben jemand anderes über meine (ehemals, pardon!) wunderschöne, sandfarbene, mit einem goldenen, neuen Reißverschluss ausgestattete, mit Kapuze versehene, wirklich wunderschöne (!) über den Po reichende Frühlingsjacke (klingelt es bei wem?). Spaß beiseite. Ich lasse sie los. Sollte ich eh mit viel mehr Dingen und Erlebnissen machen.

Ein Hoch aufs Loslassen! Danke Fremde:r.

Eure Marlene

 

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