Ich trete in die Pedale. Neben mir brummt es, auf dem Gehweg klappern die Mülltonnen. Alles bremst. Ich halte an, blicke nach oben zu den Hochhäusern, richtige Wolkenkratzer. Rot – rotgelb – grün, schon geht es weiter. An der nächsten Ampel muss ich dringend nochmal auf mein Handy schauen um den Weg zu checken, denn aus dem Kopf finde ich noch nicht vom Büro der GFFB in der Mainzer Landstraße zur Hauptwache ins Büro von Lust auf besser leben.
„Wie bin ich denn hierhergekommen?“ fragt sich ein Teil in mir. Mitten nach Frankfurt, auf diesen kleinen Fahrradstreifen neben den viel zu großen Autos und den Hochhäusern. Zu Lust auf besser leben und in ein Projekt, in dem wir mit kleinen Gastronomiebetrieben daran arbeiten werden, in ihrem Alltag ressourcenschonender zu arbeiten. Wie ist das denn passiert?
Ganz kurz gesagt, ich habe den Job, weil ich die Stellenausschreibung gesehen habe und mich darauf beworben habe. Im November, am Küchentisch in Marburg, an dem immer die Haferflocken vom Frühstück meiner jüngsten Mitbewohner kleben. Und dann ein sehr schönes Gespräch mit Alex und Marlene hatte, in dem wir uns über unsere Ideen für eine nachhaltigere Welt ausgetauscht haben. Und dann nach kürzester Zeit die Zusagen beiderseits, ja, wir können uns das sehr gut vorstellen. Und im Januar ging es dann los.
Aber um das Rad noch ein bisschen zurück zu drehen: Vor meiner Bewerbung habe ich zwei Jahre lang überlegt, wie es nach meiner Promotion weitergeht. Ich habe meine Dissertation über die ethischen Herausforderungen von Technologien geschrieben, die eingesetzt werden um Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen. 2024 hatte ich dann den Eindruck, als hätte die Welt das Thema Klimagerechtigkeit verdrängt. Also tat ich das erstmal auch – auf meinem Fahrrad. Ich radelte entlang der alten Route 66 durch die Wüste von L.A. zum Grand Canyon und am Grünen Band entlang durch die fränkisch-thüringische Pampa. Im Jahr darauf machte das Rad dann Pause im Keller und ich wanderte auf dem Pacific Crest Trail durch den Westen der USA von Mexico nach Kanada.
Da kam der Tatendrang zurück. Wie kann ich mitgestalten? Wo gibt es Rädchen, an denen man drehen kann, damit wir das mit der Transformation zu einer grüneren, nachhaltigeren, feministischeren, anti-kapitalistischen Gesellschaft doch irgendwie schaffen – oder zumindest sich nicht das Gegenteil einstellt? Mit diesen Fragen im Kopf schien mir die Uni nicht der richtige Weg. Lieber in die Praxis. Und da tauchte Lust auf besser leben auf meinem Laptopbildschirm auf und ich dachte mir: „Die klingen echt gut, das klingt angewandt und spannend, und wenn die mich nehmen, das wäre ja fein.“Jetzt radel ich durch Frankfurt, staue über die Gebäude, Menschen, Restaurants, Graffitis. Ich freue mich über das Gewusel.
Und während ich mich hier an der Ampel umblicke fällt mir mal wieder auf: Ich bin zwar viel gereist, hab in Großstädten studiert, aber ich komme vom Land. Ich bin da aufgewachsen, wo noch nicht mal der Bus hinfährt und auch das Fahrrad einen nirgendwo hinbringt – sondern wo der Autoführerschein ein Freiheitsticket ist. Umso mehr freue ich mich, in den nächsten Monaten und Jahren in Frankfurt einzutauchen und mit Menschen zu arbeiten, die ganz anders geprägt sind, als ich.
Ich arbeite bei Lust auf besser leben hauptsächlich im Projekt FUTURE KMU. Im Projekt geht es darum, Nachhaltigkeit in den Betriebsalltag von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu bringen. Wir wollen die kleinen Rädchen im Getriebe anstupsen und fangen da an, wo Zeit und Geld knapp sind, in der Individual-Gastronomie. Es geht um die Kompetenzen, die Personen an verschiedene Positionen im Betrieb brauchen, um nachhaltiger handeln zu können. Und so bin ich gespannt auf ganz viel Neues und aufs Fahrradfahren durch Frankfurt.
Es wird grün, es geht weiter!