was hat guter Schlaf mit Nachhaltigkeit zu tun?

Nachhaltig schlafen: Warum eine gute Nacht mehr verändert, als ich dachte

Beim Thema Nachhaltigkeit denken wir meist an Ernährung, Mobilität, Energie oder Konsum. Aber wann hast du zuletzt darüber nachgedacht, wie nachhaltig du eigentlich mit deiner eigenen Energie umgehst?

Schlaf klingt zunächst nicht nach nachhaltiger Entwicklung. Und doch bleibe ich immer wieder an diesem Gedanken hängen: Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen so zu nutzen, dass sie sich regenerieren können. Das gilt für Böden, Wälder und Ökosysteme – und in gewisser Weise auch für uns selbst.

Denn während wir schlafen, passiert erstaunlich viel. Unser Gehirn verarbeitet Erlebtes und Gelerntes, der Körper reguliert wichtige Stoffwechsel- und Immunprozesse und unsere emotionale Balance wird stabilisiert. Ausreichender Schlaf ist deshalb keine unproduktive Pause vom Leben. Er ist eine Voraussetzung dafür, dass wir gesund bleiben, lernen, gute Entscheidungen treffen und mit anderen Menschen konstruktiv umgehen können.

Oder anders gesagt: Schlaf ist ziemlich nachhaltiges Ressourcenmanagement in eigener Sache.

Nachdem ich „Das große Buch vom Schlaf“ von Matthew Walker gelesen habe, bin ich super fasziniert davon, was diese vermeintlich simple Erfindung der Evolution für einen enormen Impact auf das gesamte Tierreich hat!

Was macht guten Schlaf aus?

Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, hängt von vielen individuellen Voraussetzungen ab. Für gesunde Erwachsene empfehlen Fachgesellschaften in der Regel mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Zu gesundem Schlaf gehören aber auch eine gute Schlafqualität, ein möglichst regelmäßiger Rhythmus, passende Schlafzeiten und das Gefühl, tagsüber wirklich erholt und leistungsfähig zu sein (Schlafmedizin Akademie).

Guter Schlaf heißt also nicht: acht Stunden im Bett liegen und dabei fünfmal aufs Handy schauen. Sondern: einschlafen können, ausreichend lange und möglichst ungestört schlafen (alle wichtigen Schlafphasen durchleben) – und morgens nicht das Gefühl haben, die Nacht hätte dringend noch eine Nacht gebraucht.

Hilfreich sind erstaunlich unspektakuläre Dinge: möglichst regelmäßige Schlafenszeiten, Bewegung und Tageslicht am Tag, wenig Alkohol- und Koffeinkonsum, ein eher kühles und dunkles Schlafzimmer, künstliches Licht vermeiden und etwas Abstand zwischen dem letzten digitalen Input und dem Einschlafen.

Und genau letzteres ist heute gar nicht so einfach!

Ein Problem unserer Zeit: Es gibt immer noch etwas zu sehen

Noch eine Nachricht. Noch eine Folge. Noch schnell die E-Mails checken. Noch drei Reels. Und plötzlich ist es 00:47 Uhr.

Unsere Welt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer 24-Stunden-Welt entwickelt. Künstliches Licht, Smartphones, Streaming, soziale Medien und permanente Erreichbarkeit geben unserem Gehirn ständig neue Gründe, wach zu bleiben. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass elektrisches Licht Schlafzeiten verschieben und die Schlafdauer verkürzen kann (PubMed).

Der Schlafforscher Matthew Walker beschreibt diese Entwicklung besonders eindrücklich: Schlaf habe in modernen Gesellschaften ein Imageproblem bekommen. Wer wenig schläft, gilt schnell als fleißig, leistungsfähig oder besonders engagiert. Was wäre, wenn wir dieses Bild umdrehen? Genügend zu schlafen ist keine Zeitverschwendung, sondern eine Investition in die Stunden, in denen wir wach sind.

Was guter Schlaf mit dir macht

Wer regelmäßig ausreichend und gut schläft, schenkt seinem Körper und Gehirn täglich Zeit für Regeneration. Das kann sich gleich an mehreren Stellen bemerkbar machen. Die Liste ist lang, aber hier sind mal ein paar Beispiele:

  • Du kannst dich besser konzentrieren und lernen, bist wacher und leistungsfähiger. Das hat letztendlich auch einen Einfluss auf deine Sicherheit im Alltag – vor Allem im Straßenverkehr (PubMed).
  • Du bist emotional ausgeglichener und du kannst dich besser in andere hineinversetzen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Schlafmangel Empathie, Selbstregulation und unser soziales Verhalten beeinträchtigen kann (PubMed).
  • Dein Immunsystem arbeitet besser. Besonders spannend: Ausreichender Schlaf rund um eine Impfung kann mit einer stärkeren Immunantwort verbunden sein (positiver Zusammenhang zwischen Schlaf und Impfantwort) (PubMed Central (PMC)).
  • Du unterstützt langfristig deine Gesundheit. Chronisch kurzer oder gestörter Schlaf wird unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und Depressionen in Verbindung gebracht (PubMed).

Schlechter Schlaf – ein Problem für die Gesellschaft?

Eine einzelne kurze Nacht ist völlig ok – unser Körper kann einiges ausgleichen. Problematisch wird es vor allem, wenn zu wenig oder schlechter Schlaf zum Normalzustand wird. Dann können unter anderem Konzentration und Gedächtnis leiden, die Reizbarkeit steigen und emotionale Reaktionen stärker ausfallen. Langfristig zeigen Studien Zusammenhänge zwischen Schlafproblemen und verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Aber auch die wirtschaftlich/gesellschaftlichen Folgen sind erheblich: Schlafmangel verursacht nicht nur Gesundheitskosten, sondern kann durch geringere Produktivität, Fehlzeiten und Unfälle zusätzliche gesellschaftliche Kosten erzeugen (PubMed).

Guter Schlaf ist Gesundheitsvorsorge und spart nicht nur individuelles Leid, sondern potenziell auch gesellschaftliche Ressourcen.

Ausgeschlafen sind wir vielleicht sogar netter!

Eine der sympathischsten Thesen aus Walkers Schlafplädoyer betrifft unser Sozialverhalten.

Denn Schlaf beeinflusst offenbar nicht nur, wie schnell wir eine Excel-Tabelle verstehen oder ob wir uns morgens an einen Namen erinnern. Er beeinflusst auch, wie wir anderen Menschen begegnen. Forschung deutet darauf hin, dass Schlafmangel die Verarbeitung emotionaler Informationen, Empathie und soziale Selbstregulation beeinträchtigen kann (PubMed).

Das finde ich gesellschaftlich ziemlich relevant! Denn wer Verantwortung für andere trägt – als Führungskraft, Lehrer:in, Ärzt:in, Elternteil oder Politiker:in – braucht die Fähigkeit, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und nicht auf jeden Konflikt impulsiv zu reagieren. Besonders in Zeiten einer wackelnden Demokratie nicht zu vernachlässigen!

Die Vorstellung ist deshalb durchaus reizvoll: Vielleicht brauchen gute Entscheidungen manchmal nicht noch ein Meeting, sondern einfach eine Nacht guten Schlaf.

Schlaf und die SDGs: Was hat das miteinander zu tun?

Spätestens hier wird die Verbindung zu nachhaltiger Entwicklung deutlich.

SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen will ein gesundes Leben und Wohlergehen für Menschen jeden Alters fördern. Schlaf ist ein grundlegender Bestandteil genau dieses Wohlbefindens. Wer Bedingungen schafft, unter denen Menschen ausreichend schlafen können, investiert deshalb auch in Prävention, psychische Gesundheit und langfristige Gesundheit.

SDG 4 – Hochwertige Bildung steht für inklusive und hochwertige Bildung sowie lebenslanges Lernen. Und Lernen braucht Schlaf! Wer über gute Bildung spricht, sollte deshalb auch über Schulbeginn, Leistungsdruck, Mediennutzung und Erholungszeiten sprechen.

Und man kann den Gedanken noch weiterführen. Gute Arbeitsbedingungen und ein gesunder Umgang mit Erreichbarkeit berühren SDG 8 – menschenwürdige Arbeit. Empathisches Entscheiden und verantwortungsvolle Führung haben außerdem Bezüge zu SDG 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.

Schlaf ist damit natürlich nicht der geheime 18. Nachhaltigkeitsentwicklungsplan der Vereinten Nationen. Aber er zeigt sehr schön, wie eng ökologische, soziale und persönliche Ressourcen miteinander verbunden sind.

Bock auf mal eine andere Nachhaltigkeits-Challenge?

Das Gute ist: Für mehr Schlaf musst du nichts kaufen!

Du brauchst keine neue App, keinen Fitnessring und auch kein Spezialkissen aus handgekämmter Bio-Alpakawolle.

Vielleicht probierst du stattdessen eine Woche lang ein kleines Experiment: Gib deinem Schlaf etwas mehr Raum. Geh an ein paar Abenden eine halbe Stunde früher ins Bett. Lass das Handy nicht die letzte und erste Informationsquelle des Tages sein. Beobachte, wie du dich morgens fühlst, wie konzentriert du bist – und vielleicht auch, wie geduldig du mit anderen Menschen umgehst.

Wir laden unsere Smartphones jeden Abend auf. Vielleicht sollten wir uns selbst mindestens genauso selbstverständlich behandeln.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine erholsame und gute Nacht….Schlaf gut!

Ankathrin

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