Project Description

Das Projekt KlimASport beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Sportvereine in Deutschland. Gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zielt das Projekt darauf ab, Sportvereine dabei zu unterstützen, unter sich ändernden klimatischen Bedingungen weiterhin erfolgreich arbeiten zu können. Doch was bedeutet das konkret?

Alle, die draußen Sport machen, kennen es: auf dem Tennisplatz steht man plötzlich unter Wasser, beim Kicken ist es zeitweise so heiß, dass man unangenehme gesundheitliche Auswirkungen auch ohne Fachkenntnisse deutlich spürt.

Der Klimawandel ist längst angekommen – er ist spür- und messbar und hat vielfältige Auswirkungen, auch auf die Aktivitäten von Sportvereinen, insbesondere von Natursportvereinen und Vereinen mit eigenen Sportstätten und Aktivitäten im Freien:

  • Hitzewellen und Treibhausgase belasten den menschlichen Körper während sportlicher Aktivitäten verstärkt, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann.
  • Zunehmende Trockenheit und Trockenstress bedeutet für Sportvereine, dass sie sich anders um die Bewässerung und Instandhaltung ihrer Außenanlagen kümmern müssen, damit Wasserkosten nicht explodieren.
  • Überschwemmungen und Unwetter verursachen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur von Sportvereinen.
  • Häufigere Extremwetterereignisse wie Stürme und Hitzewellen fordern eine hohe Flexibilität und Problemlösungskompetenz von Sportvereinen, beispielsweise in Hinblick auf das Management von Trainingsplänen oder Turnieren.
  • Steigende Temperaturen führen zur Ausbreitung von Schädlingen und gebietsfremden Arten, auch in Liegenschaften von Sportvereinen. Was bedeutet das für die Kontrolle und Beseitigung?
  • Mildere Temperaturen ermöglichen es manchen Sportvereinen, ihre „Sommersaison“ auszudehnen und somit die ressourcenintensive „Hallensaison“ zu verkürzen.
  • Natursportarten wie Skifahren oder Tauchen sind unmittelbar bei der Ausübung ihrer Sportart von den Folgen des Klimawandels betroffen, z.B. durch weniger Schnee oder Korallensterben.

Mit Klimaschutz wird dem Fortschreiten des Klimawandels vorgebeugt, um weitere Auswirkungen zu verhindern. Sportvereine führen hier schon zahlreiche Aktivitäten durch, von der Umstellung der Beleuchtungsanlagen über die Isolierung von Vereinsheimen hin zu Einsatz regenerativer Energie. Bei Klimaanpassung geht es weniger um die Vermeidung von CO2-Ausstoß als um den Umgang mit den Folgen des Klimawandels: Wie kann ein Sportverein mit den Auswirkungen des Klimawandels, die heute schon spürbar für Natur und Gesundheit sind, umgehen?

Bisher findet die Anpassung an die Folgen des Klimawandels (im Gegensatz zu Klimaschutz) quasi noch keinen Eingang in die Arbeit von Sportvereinen. Dies ist kaum verwunderlich, da ein Großteil der Vereinsarbeit deutschlandweit von ca. 8 Millionen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen geleistet wird (ca. 1,7 Millionen Mitarbeiter, die ehrenamtliche Positionen besetzen, insb. Vorstandsposten, plus ca. 6,3 Millionen Mitglieder, die sich freiwillig engagieren).[1] Ihnen fehlt die Zeit, das Budget und die Ausbildung, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Gesamtziel von KlimASport ist daher das Durchbrechen von Routinen im Denken und Handeln ehrenamtlich engagierter Mitarbeiter*innen in Sportvereinen, um die Hebelwirkung von Sportvereinen auf die Anpassung an den Klimawandel in Deutschland zu erhöhen. Hierfür ist es jedoch elementar wichtig, die Mentalität von Sportvereinen zu berücksichtigen. Ziel des Projekts ist daher die Entwicklung von Bildungsmaterial, das gleichzeitig wissenschaftlich fundiert ist und die Interessen und Bedürfnisse der Sportvereine systematisch mitberücksichtigt, die besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

[1] Vgl. Breuer, C. & Feiler, S. (2017). Sportvereine in Deutschland – ein Überblick. In C. Breuer (Hrsg.), Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland, Köln.

  • Es wird herausgearbeitet, welche Maßnahmen für Klimaanpassung aus wissenschaftlicher Perspektive grundsätzlich für Sportvereine zur Verfügung stehen und mit welchen Kosten und Nutzen sie verbunden sind.
  • Mit Hilfe von teilstandardisierten Fragebögen wird im Dialog mit ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und Trainer*innen aus Sportvereinen unterschiedlicher Größe und Sportrichtung analysiert, welche Maßnahmen zur Klimaanpassung (ggf. unbewusst) bereits stattfinden, wo Hürden bestehen und wo Anknüpfungspunkte zur Durchbrechung von Routinen im Denken und Handeln bestehen.
  • Es findet eine Bestandsaufnahme statt, welche Fördermaßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen (Kommune, Land, Bund, privat) bereits zur Verfügung stehen oder geplant sind, bei denen Sportvereine bei der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen Unterstützung finden.
  • Es wird Bildungsmaterial entworfen, das Sportvereine dabei unterstützt, ihre Potentiale für Klimaanpassung zu entfalten:
  • Leitfaden und Arbeitsmaterial (Broschüre) für die (autodidaktische) Weiterbildung von Vereinen: „Wie kann unser Verein die Chancen und Risiken des Klimawandels erfolgreich beim Vereinsmanagement berücksichtigen?“
  • Erklärvideo zu Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel im Sport
  • Schulungseinheit (Powerpoint plus Arbeitsmaterial) für die Weiterbildung von Vereinsmanagern im Rahmen der Aus- und Fortbildung durch DOSB und Landessportbünde (analog und in Kooperation mit Klimaschutzmodul des DOSB)
  • Material zur Sensibilisierung der Vereinsmitglieder und Übungsleiter, wie sie ihr Verhalten im Vereinsalltag an die Folgen des Klimawandels anpassen können (z.B. Aufbau einer Facebook-Community mit Klimaanpassungsposts, Plakate, Postkarten)
  • Das entwickelte Bildungsmaterial wird in einer Pilotphase gemeinsam mit Sportvereinen getestet und weiterentwickelt.
  • Das erprobte Bildungsmaterial wird bundesweit in Partnerschaft mit Multiplikatoren skaliert.
  • Erkenntnisse aus dem Projekt werden zielgruppenorientiert verbunden mit Empfehlungen jeweils für Politik, Stiftungen, Verbände und Vereine formuliert.

Was ist Klimaanpassung?

Roadmap

erfüllte Arbeitspakete:

  • bis März 2019 – Umfrage bei Sportler*innen und Vereinen: 132 Mitmachende aus 29 Sportarten – von Bergsteigen über Cheerleading hin zu Yoga – gaben ihre Erfahrungen und Herausforderungen an. Diese Ergebnisse nutzt „KlimASport“, um zu verstehen wie ihre Arbeit oder ihr Engagement im Sportverein bereits positiv oder negativ durch die Folgen des Klimawandels betroffen ist. Die Umfrageergebnisse bilden die Basis für die weitere Entwicklung der Bildungsmodule.
  • bis April 2019 – Fertigstellung der Masterarbeit als Basis für die weitere Projektkonzeption (hier geht es zur hier geht es zur Masterarbeit)

anstehende Arbeitspakte:

  • bis Mai/Juni 2019 – Veröffentlichung der Key Learnings
  • bis August 2019 – Expert*innen Workshops
  • bis Septemeber 2019 – Whitepaper mit Ergebnissen
  • bis März 2020 – Prototyping des Bildungsmaterials und Test mit Vereinen
  • bis August 2020 – Vorstellung der Ergebnisse
  • bis November 2020 – Produktion des finalen Bildungsmaterials und Projektabschluss

Ideelle Projekt-Partner

Projektrahmen

Das Bildungsmodul zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels bei Sportvereinen (KlimASport) wird entwickelt und angewandt im Rahmen der Bekanntmachung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) über die Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, FSP 2: Entwicklung von Bildungsmodulen zu Klimawandel und Klimaanpassung.

Das Projekt trägt folgendermaßen zu den förderpolitischen Zielen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) und zu Förderschwerpunkt 2 (FSP 2) der Bekanntmachung bei und trägt somit wesentlich zum Kapazitätsausbau von Sportvereinen in Hinblick auf die Anpassung an den Klimawandel bei:

  • „Systematische Berücksichtigung der Risiken und Chancen des Klimawandels in den Planungs- und Entscheidungsprozessen öffentlicher wie privater Akteure“ (DAS): Die Planungs- und Entscheidungsprozesse von Sportvereinen sind komplex. Dabei sind insbesondere drei Komponenten zu beachten: Sportvereine bilden zunehmend Mitarbeiter*innen zu Vereinsmanagern aus; Sportvereine erhalten Unterstützung bei ihren Planungs- und Entscheidungsprozessen insbesondere durch Ausbildungs- und Beratungsangebote von Sportbünden; alltägliche Entscheidungen in Sportvereinen sind geprägt von informellen Strukturen insbesondere durch das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeiter*innen. Daher unterstützt das Projekt über unterschiedliche Kanäle die systematische Berücksichtigung der Risiken und Chancen des Klimawandels in den Planungs- und Entscheidungsprozessen von Sportvereinen:
    • „Von oben nach unten“ durch die Bereitstellung von Bildungsmodulen und Arbeitsmaterial bei Multiplikatoren wie Sportbünden, Fachverbänden oder DOSB, die dieses Material in ihren offiziellen Ausbildungs- und Beratungsangeboten für Sportvereine einsetzen
    • „Von unten nach oben“ durch das Erreichen von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen über informelle Kanäle wie Erklärvideo, Social Media oder haptisches und niedrigschwelliges Material zum Auslegen in Sportvereinen.
  • „Das Förderprogramm soll Multiplikatorwirkung entfalten“ (Bekanntmachung): Sportvereine haben einen großen Hebel zur Erhöhung der Adaption. In Deutschland gibt es ca. 90.000 Sportvereine mit knapp 24 Millionen Mitgliedern (Quelle: Statista) und es werden über 22,9 Millionen Arbeitsstunden von rund 8 Millionen ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für gemeinnützige Zwecke geleistet. Sportvereine sind fest verankert in ihrer lokalen Umgebung, erreichen Menschen aller Altersklassen, Herkunftsländer und Bildungsschichten und sind somit hervorragend geeignet als Multiplikatoren für Bildungsmodule zu Klimawandel und Klimaanpassung. Um die Sportvereine landes- und bundesweit zu erreichen, setzt das Projekt zum einen auf bottom-up-Kommunikation durch soziale Medien und ergänzend auf top-down-Kommunikation durch wichtige Multiplikatoren (es liegen u.a. Absichtserklärungen des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Landessportbundes Hessen zur Skalierung der Materialien vor).
  • „Gefördert werden die Entwicklung von Bildungsangeboten und deren pilothafte Umsetzung.“ (FSP 2): Das Projekt entwickelt gemeinsam mit Klimawandelexperten, Bildungsexperten und Vertretern von Sportvereinen Bildungsmodule (Leitfaden, Lehreinheit und Infomaterial) zur Berücksichtigung von Chancen und Risiken des Klimawandels im Vereinsmanagement von Sportvereinen. Pilothaft werden die Bildungsangebote mit ausgewählten Vereinen getestet und weiterentwickelt.

Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate vom 1. Januar 2019 – 31. Dezember 2020.

Förderkennzeichen: 03DAS159

Ansprechpartnerin für KlimASport: Dr. Alexandra von Winning, alexandra@lustaufbesserleben.de

Mehr zum Thema Klimaanpassung unter www.bmu.de und zum Projektträger unter www.ptj.de bzw. www.z-u-g.org.